Jana Hammermann Past Present Future (series in work)
Life Is Golden Pain, 2010 
Ink, acrylic on canvas, 31,5 x 39 Inches

Jana Hammermann Past Present Future (series in work)

Life Is Golden Pain, 2010 

Ink, acrylic on canvas, 31,5 x 39 Inches

Urban Structures

Serie, bestehend aus 6 Arbeiten. Die Bilder (color inverted print on aluminium panel 280 x 195 cm) hängen im Designhotel The Weinmeisters, Weinmeisterstraße 2, in Berlin-Mitte ( www.the-weinmeister.com). Hier zu sehen sind die Originalzeichnungen. 

 

Thema der Serie

Wie kommt die Wirklichkeit in unsere Köpfe und was geschieht dort mit ihr? Damit beschäftigt sich meine sechsteilige Serie Urban Structures. Es geht um die Konstruktionen von Realität und Identität. Ein Großteil von dem was wir sind formiert sich vor dem Hintergrund eines Wirklichkeitsverständnisses, das auf der Annahme der relativen Verlässlichkeit unserer Wahrnehmungen und Erinnerungen basiert. Um zu erkennen, ob eine Beobachtung wahr oder falsch ist, muss man sie mit der Wirklichkeit vergleichen, so Wittgenstein. Genau dies ist nicht möglich, moniert Ernst von Glaserfeld, Begründer des radikalen Konstruktivismus. Hierzu müsste der Mensch über einen unmittelbaren Zugang zur Realität verfügen, was nicht der Fall sei. Die menschliche Wahrnehmung liefert kein Abbild von Wirklichkeit. Vielmehr konstruiert sich jedes Gehirn aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung was es für wahr hält: Es selektiert Informationen, überspringt, verzerrt, schneidet Details aus, setzt neu zusammen. Jede Wahrnehmung enthält bereits Elemente der Abwandlung und Verfremdung. Dennoch hegt der Mensch wenig Zweifel an der Authentizität dessen, was er gesehen hat und sich später lückenhaft ins Gedächtnis ruft - selbst wenn es sich um Ufos handelt. Erstaunlich versessen auf die Tadellosigkeit seiner Erinnerungen streitet er, behauptet, meint und erfindet. Nichts scheint seine Identität mehr zu bedrohen als die Unzuverlässigkeit seiner Wahrnehmungen und Erinnerungen. Hiermit setzt sich meine Serie auseinander.

Die Idee zu der Arbeit entstand während der Sichtung unsortierter Reisefotografien von Städten, die ich während eines Umzugs in einem alten Karton fand. Mir fiel auf, dass ich viele Gebäude und Plätze völlig anders im Gedächtnis hatte als auf den Fotos. Einen Teil der Fotografien konnte ich nicht auf Anhieb Städten zuordnen und an einige der von mir aufgenommenen Orte vermochte ich mich gar nicht zu erinnern, hätte sogar bestritten jemals dort gewesen zu sein. In meiner Erinnerung vermengten sich die unterschiedlichen Plätze, Straßen, Häuser und Brücken, bildeten eine neue Stadt, die wie geträumt erschien, undeutlich mit hin und wieder klar hervor tretenden Elementen.

Die Motive der Urban Structures scheinen auf den ersten Blick wohl bekannt. Doch die vermeintlichen Postkartenmotive sind ebenso vage wie konkret. Sie haben etwas Willkürliches, gleichen aus dem Stapel gefallenen Fotografien. Sie entziehen sich einer genauen Zuordnung, obgleich sie gleichzeitig unentwegt auf diese referieren. Sie sind Erinnerungen, welche sich auflösen in Perspektive und Struktur. Wirklichkeit wird fragmentarisch nur zitiert. Die Erfindung urbaner Strukturen, nicht deren konkrete Darstellung ist das Ziel meiner Serie. Kunst stößt im Ergründen ihres Gegenstandes auf sich selbst. Das bedeutet nichts anderes, als durch das Auffinden ihrer eigenen Methoden Realität zu gerieren, die denen tatsächlicher Wirklichkeitskonstruktionen zum Verwechseln ähnlich sind.

Um daran nicht den geringsten Zweifel zu lassen, unterzog ich meine Zeichnungen einer erneuten Transformation. Mit einem Cruse-Scan digitalisierte ich meine Arbeiten - allesamt Federzeichnungen auf acrylgrundierter Leinwand oder Karton - invertierte die Farben und zog die Bilder auf Alu-Dibond auf: Es gibt nur Abbilder und subjektive Abwandlungen von Wirklichkeit.

Die Auslegung von Welt als subjektiv zerebrales Konstrukt spiegelt sich in Urban Structures wider als das unablässige Changieren zwischen Realität und Fiktion. Traditionell konventionelle Darstellung kollidiert mit surreal visuellen Kodierungen. Was ist Beobachtung, was Behauptung? Es könnte so, aber auch immer anders gewesen sein, postulieren die Bilder. Fremdartige Objekte und traumartig verzerrte Perspektiven konterkarieren scheinbar vertraute Ansichten von Brücken, Toren und Gebäuden, verweisen auf die Brüchigkeit des Selbstverständnisses unseres Wirklichkeitsbegriffs. Die Urban Structures sind durchzogen von Instabilität, haben etwas von der Nebelhaftigkeit flüchtiger Erinnerungen und dem brüchigen Realismus eines Traums. Über den Motiven liegt angespannte Reglosigkeit. Es herrscht Menschenleere, die Abwesenheit von Natur. Was nach der Dekonstruktion des Wirklichkeitsbegriffes bleibt ist nicht viel und lässt sich auf die Grundbefindlichkeit menschlichen Seins reduzieren: innere Isolation. Fragmente des städtischen Raums finden sich ihres Kontexts beraubt, stehen vereinzelt und bedeuten. Identität erscheint wie Realität als Konstrukt - subjektiv, veränderlich, zerbrechlich. Die Entkleidung von Farbe, Emotionen und die Rückführung auf strukturelle Leere im Konkreten ist Bestandteil von Steigerung, eine Erweiterung der Wirklichkeit im Unwirklichen. So versuche ich, in Urban Structures sukzessive die eigentlichen Strukturen „wirklicher Wirklichkeit“ zum Vorschein zu bringen. Letztere kann und darf nichts anderes sein als die Pluralität von Wahrheit, die nach meiner Auffassung der Schlüssel ist zu einer wahrhaftigen, „besseren Welt“. Nur wer sich die Einsicht in die eigene Fehlbarkeit wirklich zu eigen macht, kann andere Wahrheiten außerhalb der eigenen gelten lassen.  


jana hammermann - urban structures V, 2011
ink and acrylics on canvas

jana hammermann - urban structures V, 2011

ink and acrylics on canvas


jana hammermann - urban structures lV, 2011
ink and acrylics on canvas

jana hammermann - urban structures lV, 2011

ink and acrylics on canvas


jana hammermann - urban structures lll, 2011
ink and acrylics on bristol board

jana hammermann - urban structures lll, 2011

ink and acrylics on bristol board

jana hammermann - urban structures ll, 2011
ink and acrylics on bristol board

jana hammermann - urban structures ll, 2011

ink and acrylics on bristol board



jana hammermann - urban structures l, 2011
ink and acrylics on bristol board

jana hammermann - urban structures l, 2011

ink and acrylics on bristol board


jana hammermann - the illusion of freedom, 2011
ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - the illusion of freedom, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches


jana hammermann - cocooning, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - cocooning, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches


jana hammermann - the city, 2011
ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - the city, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches


jana hammermann - disregard, 2011
ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - disregard, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches


jana hammermann - time machine at work, 2011
ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - time machine at work, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches


jana hammermann - box working, 2011
ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - box working, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches


jana hammermann - 9 to 5 nightmare, 2011
ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches

jana hammermann - 9 to 5 nightmare, 2011

ink on bristol board, 8,3 x 11,7 inches